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    iBAT Instituts-Gesellschaft für
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    Bitte integrieren, aber ohne Zukunftsplanung

    Deutschland ist ein Bürokratie- und Gesetzesurwald – das ist keine Neuigkeit. Jeder, der mal Formulare oder Anträge bei Behörden abgeben musste, weiß das. Da haben es Menschen, die aus einem anderen Land nach Deutschland geflohen sind, nicht besonders leicht. Ihnen begegnen viele Unwägbarkeiten und Unsicherheiten.

    Halkawt Bashar und Fazel Mohammadi (Foto:Tischlernord)

    Fazel Mohammadi ist so jemand. Der 24-jährige Afghane kam 2015 nach Deutschland und ist inzwischen im zweiten Lehrjahr bei der Tischlerei Krüger in Alfeld. Bereits Anfang 2018 haben wir über sein Engagement in der Ausbildung in den Perspektiven (Ausgabe 1/2018) berichtet.

    Heute möchten wir erneut einen Blick in das Leben von Fazel werfen. Dabei nehmen wir ein Problem in den Fokus, das sicherlich einige Betriebe kennen.

    Fazel macht seine Ausbildung Spaß. Und er möchte es nicht bei der Ausbildung belassen. Er möchte als Tischler arbeiten und er würde gerne seinen Meister machen, vielleicht in ein paar Jahren studieren. Fazel spricht sehr reflektiert über seine Zukunftspläne. Er weiß, dass er mindestens drei Jahre in dem Beruf des Tischlers arbeiten muss, bevor er ohne Abitur studieren kann. Trotzdem steckt er sich diese Ziele. Denn er hat sich ganz bewusst für das Tischlerhandwerk entschieden.

    Doch seine Zukunft in Deutschland ist unsicher. Er bekommt immer nur Aufenthaltsgenehmigungen für einige Monate. Im Anschluss an seine Ausbildung greift die drei plus zwei Regelung und er darf für bis zu zwei Jahre in dem Beruf arbeiten. Und dann? Fazel weiß es noch nicht. Auch sein Anwalt und die Behörden können ihm keine Auskunft geben. „Sorgen sind immer dabei, wenn alles so unsicher ist“, so der Auszubildende.

    Und nicht nur ihm geht es so. In der Tischlerei Krüger arbeitet noch ein weiterer Auszubildender im ersten Lehrjahr aus dem Irak. Auch bei Halkawt Bashar ist die Zukunft in Deutschland ungewiss.

    Doch nicht nur die Zukunftsplanung der jungen Männer ist ein Problem. Schon während der Ausbildung sind die Rahmenbedingungen erschwert. Fazel wohnt zwar nur 15 Kilometer von seiner Ausbildungsstätte entfernt, doch ist in dem ländlichen Gebiet die Infrastruktur der öffentlichen Verkehrsmittel schlecht ausgebaut. Die Bahnen fahren nur so, dass er entweder eine knappe Stunde vor Arbeitsbeginn am Betrieb ist oder er hat zehn Minuten Zeit vom Bahnhof zum Ziel, das zwei Kilometer entfernt liegt, zu kommen. Im Sommer kein Problem, wie er sagt, im Winter ist es häufig schwierig. Die naheliegende Lösung: Ein Umzug in die Nähe. Den verwehren die Behörden Fazel jedoch. Da nützte auch ein Brief vom Geschäftsführer Benedikt Krüger nichts.

    Ein weiteres Problem sind die Sprachbarrieren. Fazel spricht inzwischen fast fließend Deutsch, die Fachbegriffe in der Schule bereiten ihm allerdings noch Schwierigkeiten. Die sonst eher guten Noten in der Schule geraten unter dem zeitlichen Druck in der Prüfungssituation ins Wanken. Dabei würde sicherlich jeder von uns etwas länger brauchen, wenn er einen Test in einer Fremdsprache mit Zeitlimit absolvieren soll. Das Lesen und Schreiben dauert einfach länger als in der Muttersprache – auch wenn man mündlich problemlos kommunizieren kann.

    Fazel Mohammadi ist ein Auszubildender, den man sich als Betrieb nur wünschen kann. „Wir würden Fazel gerne behalten“, bestätigt Seniorchef Detlef Krüger ohne Zweifel. Gute Nachwuchskräfte zu finden, die anschließend einen Meister machen und die Qualität im Handwerk fortführen wollen, findet man in Deutschland zurzeit nicht an jeder Ecke. Dennoch wird jungen Menschen wie Fazel der Einstieg in unsere Gesellschaft schwer gemacht. Zum Sommer fangen bei der Tischlerei Krüger zwei weitere Flüchtlinge eine Ausbildung an. Trotz der Unwägbarkeiten für den Betrieb ist für den Geschäftsführer klar, den jungen Menschen eine Chance zu geben. Schließlich können sie nichts für die rechtliche Situation in Deutschland.

    19.07.2019 09:14 Alter: 31 Tage